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Bereits im vergangenen Jahr konnte in Schnitt 1 ein fragmentarisch erhaltener Spinnwirtel nachgewiesen werden. Bei den diesjährigen Ausgrabungen wurden bislang zwei weitere vollständig erhaltene Exemplare gefunden. Die Funde belegen die Herstellung von Garn im Mittelalter – zumindest für den häuslichen Bedarf.

Bei einem Spinnwirtel handelt es sich um die zumeist aus Ton hergestellte Schwungmasse einer Handspindel, also das Gewicht, das am unteren Ende der Spindel aufgesteckt war. Vor der Erfindung des Spinnrades nutzten vor allem Frauen die Handspindel, um aus der gereinigten Rohfaser wie Wolle oder Flachs Garn zu spinnen. Die ältesten Spinnwirtel stammen aus der Jungsteinzeit und mit dem Aufkommen des Spinnrades in Europa im späten 12. Jh. dürften die Handspindeln nach und nach aus der Mode gekommen sein.

Zwei der Spinnwirtel stammen aus dem Bereich eines frühmittelalterlichen Grubenhauses. Anhand einiger keramischer Beifunde wird das Grubenhaus in das 7.8. Jh. datiert. Ein Grubenhaus war, wie der Name schon suggeriert, ein in den Boden eingetieftes kleines Gebäude. Die höhere Luftfeuchtigkeit im Inneren des Grubenhauses soll sich günstig auf das Textilhandwerk ausgewirkt haben. Ein eindeutiger Beweis steht bislang noch aus, aber es wird aufgrund der Spinnwirtelfunde vermutet, dass es sich bei dem entdeckten Grubenhaus um ein Webhaus gehandelt hat. In den nächsten Tagen können sich die Indizien dazu verdichten, wenn das Haus weiter freigelegt wird.

(Dr. D. Lau)

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