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Bei den Ausgrabungen innerhalb des ehemaligen Witschaftsgebäudes, das an das Werpup’sche Herrenhaus im Süden anschloss, wurde heute in den mittelalterlichen Schichten ein aus Knochen geschnitzter Spielwürfel entdeckt. Es handelt sich dabei um einen 6-seitigen Würfel (Hexaeder).
Bei den modernen Spielwürfeln dieser Art ergibt die Summe einander gegenüberliegender Augen stets 7: 1+6, 2+5 und 3+4 liegen einander gegenüber. Bei unserem mittelalterlichen Exemplar verhält es sich anders, hier liegen 1+2, 3+4 sowie 5+6 einander gegenüber.

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Der Würfel ist sehr klein (mit einer Kantenlänge < 1 cm) und nicht vollkommen symmetrisch gearbeitet, so dass vermutlich beim Würfeln bestimmte Zahlen besonders häufig erzielt wurden – welche das sind, wird hier im Blog mitgeteilt, sobald der Fund gereinigt und konserviert ist.

Die Augen auf dem Würfel wurden in Punkt-Kreis-Verzierung ausgeführt, dafür bediente man sich vermutlich eines besonderen Werkzeugs, eines Bohrers, der den Mittelpunkt sowie den Umfang eines Kreises gleichzeitig herstellen konnte.

Die ältesten erhaltenen Spielwürfel der Welt stammen aus der Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend und wurden im Iran entdeckt. Nördlich der Alpen gelangte das Würfelspiel durch die römischen Legionäre, zunächst verwendete man jedoch die Sprungbeinknochen von Schafen oder Ziegen, sogenannte Astragaloi, die unter anderem auch als Orakelknochen verwendet wurden. Nach und nach setzte sich aber die regelmäßige Form durch: Doch nicht nur sechsseitige Würfel fanden Verwendung – auch andere geometrische Formen fanden bei den Spielern Wohlgefallen.

Wie alt der Spielwürfel aus Bissendorf ist, lässt sich noch nicht genau eingrenzen. Die Schichten aus denen er stammt datieren ihn spätestens in das 14./15. Jahrhundert, es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Würfel wesentlich älter ist.

(Dr. D. Lau)

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