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Die Zeit, die für die Ausgrabungen auf dem alten Gutshof derer zu Bissendorf zur Verfügung steht, ist mittlerweile zur Hälfte abgelaufen – Zeit für einen kurzen Zwischenbericht.

In den ersten vier Monaten konzentrierten sich unsere Bemühungen darauf, die Fläche im Bereich des alten Werpup’schen Herrenhauses und eines südlich unmittelbar angrenzenden Wirtschaftsgebäudes zu untersuchen. Dieses Areal umfasst eine Gesamtfläche von ca. 600-700 Quadratmetern. Bislang wurden ca. 50.000 Einzelfunde gemacht, überwiegend Tongefäßfragmente.

Zu den ältesten Funden zählen bisher Feuersteinwerkzeuge und -abschläge sowie Tongefäßfragmente aus der Jungsteinzeit, vermutlich aus der sogenannten Schnurkeramik (ca. 2800-2200 v. Chr.). Da es sich um versprengte Einzelfunde handelt ist bislang nicht klar, ob die Menschen in der Steinzeit im heutigen Bissendorf gesiedelt haben, ihre Toten bestattet haben oder einfach nur durch das Tal gezogen sind.

Die nächsten eindeutigen Funde stammen aus dem Frühmittelalter. Tongefäßscherben aus dem 7./8. Jahrhundert zeugen in ihrer Konzentration davon, dass in dieser Zeit die Keimzelle des heutigen Bissendorf zu suchen ist. Ein Grubenhaus sowie mehrere massive Pfosten, die zu mindestens einem oberirdischen Hausgrundriss zu rekonstruieren sind, weisen eindeutig eine Besiedlung für diese Zeit nach.
Auch für die nachfolgenden Phasen des Mittelalters, dem Hoch- und Spätmittelalter, belegen zahlreiche Pfosten und Gruben eine kontinuierliche Besiedlung der Fundstelle. Ein im späten Mittelalter zugeschütteter Brunnen und die Spuren eines Steingebäudes, das um 1500 errichtet worden sein muss sind die aktuellen „Highlights“ auf der Ausgrabung. Der Brunnen wird im Verlauf des Monats August untersucht werden. Ob es hingegen gelingt den Grundriss des Steingebäudes zu rekonstruieren, ist fraglich, da seit dem 16. Jahrhundert massive Erdbewegungen und tiefe Eingriffe in den Boden stattgefunden haben. Bislang lässt sich nur ein rechtwinklig verlaufender Mauerzug von ca. 10 Metern Gesamtlänge nachzeichnen.

Mittelalterlicher aus Kalkbruchsteinen gefügter Brunnen, der gegen Ende des Spätmittelalters verfüllt wurde (ca. 15. Jh.).

Die Errichtung des Werpup’schen Herrenhauses hat das Gelände seit dem 17. Jahrhundert geprägt. Im westlichen Außenbereich lassen sich kleinere Anbauten und Pflasterungen nachweisen, die bislang unbekannt waren. Außerdem wurde aktuell der zugeschüttete Zugang zu einem Gewölbekeller freigelegt. Die Schuttmassen stammen zwar vom Abriss des Gebäudes in den 1970er Jahren, die Bausubstanz allerdings ist renaissancezeitlich, so dass sich durch die Untersuchungen die Bauformen der damaligen Zeit nachvollziehen lassen. Mit der Ausgrabung des Kellerinnenraumes wird in den nächsten Tagen begonnen – die Kellertreppe ist bis zum Kellerboden mittlerweile freigelegt.

Renaissancezeitliche Kellertreppe. an der Wand links erkennt man den Gewölbeansatz des Tunnelgewölbes und an der bildrechten Wand liegt auf den Stufen ein Werkstein, der zu einer Tür gehörte.

Während bis zum Ende des Monats die Untersuchungen im Bereich des Werpup’schen Herrenhauses abgeschlossen werden, konzentriert sich die weitere Erforschung auf den ehemaligen Außenbereich westlich des Herrenhauses. Auch hier konnten bereits erste Befunde (hauptsächlich Pfostenstellungen) aus dem Mittelalter nachgewiesen werden.

Die nächsten wichtigen Grabungsziele sind demnach
1. Erforschung des Gewölbekellers aus dem 17. Jahrhundert (bis Ende Juli)
2. Rekonstruktion des Grundrisses des Steingebäudes aus dem frühen 16. Jh.
3. Erforschung des Brunnens, der im 14./15. Jh. verfüllt wurde (im August)
4. Komplette Erforschung des Grubenhauses aus dem 8. Jahrhundert (August)
5. Untersuchung des Außenbereichs westlich des Herrenhauses (bis Ende Oktober)
6. Untersuchung der Gräftenanlage aus dem 17. Jahrhundert (gegen Ende der Grabung)
7. Untersuchung des ehemaligen Torbereichs des Gutshofes (gegen Ende der Grabung)

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