Schlagwörter

, , , ,

Die Ausgrabungen in Bissendorf gehen in Kürze in eine vierte Phase:

Auf der im Vorjahr untersuchten Fläche konnte ein bemerkenswertes steinfundamentiertes Gebäude angeschnitten werden. Die Fundamente sind aus Kalkbruchsteinen gearbeitet und sorgfältig in fetten gelben Lehm gesetzt. Es misst etwa 6 m in der Breite und mit Kellerhals über 20 m in der Länge. Das Gebäude wurde durch einen Brand zerstört und die ausgebrannten Mauern anschließend ins innere gestürzt, so dass der unterste Bereich – der Keller – nahezu komplett durch Schuttmassen versiegelt ist.

In diesem Kellerschutt konnten Hinweise darauf gefunden werden, dass das Gebäude vermutlich an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert zerstört wurde und die Güte und Menge der Funde sowie die Größe des Gebäudes an sich weisen eindeutig darauf hin, dass es sich bei der Ruine um die ehemalige hochmittelalterliche Residenz derer zu Bissendorf handeln muss.

Die Ausgrabung in Bissendorf ist unter mehreren Aspekten wissenschaftlich von großer Bedeutung: Zum einen handelt es sich bei der zerstörten Anlage um einen Glücksfall für die Archäologie, da Fundzusammenhänge ungestört unter den Schuttmassen erhalten geblieben sind, zum anderen gilt dieser frühe und als monumental zu bezeichnende steinfundamentierte Bau als der älteste im gesamten Landkreis. Und drittens kann durch die besondere Befundlage in einzigartiger Weise ein zwar elitärer, doch profaner Bau als Knotenpunkt einer ganzen Infrastruktur untersucht werden – aus der spätestens im ausgehenden Mittelalter eine von einer Gräfte umflossene befestigte Anlage entstanden ist. Schließlich datiert die Zerstörung der Anlage zu einer Zeit als die ersten erhaltenen historischen Nachrichten über Bissendorf einsetzen, so dass der Übergang von den archäologischen Befunden hin zu den historischen Quellen besonders gut beobachtet werden kann.

In einer dreimonatigen und nunmehr 4. Phase der archäologischen Forschung in Bissendorf gräbt ein sechsköpfiges Team der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück unter der Leitung von Dr. Daniel Lau die Überreste des alten Adelssitzes komplett aus und versucht die historischen Puzzleteilchen zusammenzufügen, um so Stück für Stück die frühe Entstehungsgeschichte des Ortes zu rekonstruieren.

Die Ausgrabungen beginnen Mitte Juli und dauern bis Mitte Oktober.

Advertisements