Schlagwörter

, ,

Die Ausgrabungen in Bissendorf sind heute abgeschlossen worden. Zieht man ein erstes Resümee, so wurden die Erwartungen, die an die Ausgrabung gestellt wurden, erfüllt. Die bereits gewonnene Erkenntnis, dass es sich bei dem um 1100 zerstörten Gebäude um das repräsentative Wohnhaus der lokalen Elite handelte, konnte eindeutig bestätigt und mit weiteren Beweisen in Form von Funden und Befunden untermauert werden. Damit können die Ergebnisse der Ausgrabung unmittelbar an die älteste historische Erwähnung des Ortes (1160 – Nennung der Kirche und 1182 – Nennung des Giselbert von Bissendorf) anknüpfen. Außerdem konnte der komplette Gebäudegrundriss dokumentiert werden und auch für den obertägigen Aufbau des Gebäudes können Indizien vorgelegt werden (Lehmfachwerk, weiß verputzt, Dachdeckung vermutlich mit Stroh).

Auch die weitere Geschichte der Grabungsfläche konnte geklärt werden: Nachdem das Gebäude um 1100 durch Feuer vernichtet wurde verfüllte man den Kellerbereich mit dem Gebäudeschutt und errichtete ein neues massives Pfostengebäude auf dem planierten Schutt. Nach Abriss dieses Holzgebäudes wurde ein Brunnen angelegt. Funde aus der Brunnenverfüllung belegen, dass dieser im 13./14. Jh. wieder aufgegeben worden sein muss. Das Pfostengebäude fügt sich zeitlich also in die Lücke zwischen dem steinfundamentierten Bau und den Brunnen ein. Nach Aufgabe des Brunnens wurde der Bereich als Garten/Wiese genutzt.

Was geschieht nun im Anschluss an die Ausgrabung?

Zunächst findet bis Ende November eine Auswertung des Datenmaterials statt. Das bedeutet, dass die Funde gereinigt und wenn möglich restauriert werden (zerscherbte Tongefäße werden zusammengeklebt, Eisenobjekte von Korrosion befreit usw.). Dann werden die Daten zu Messungen, Zeichnungen, Beschreibungen usw. der Funde und auch der Fundkontexte in einer Datenbank erfasst. Nach Abschluss dieser reinen Dokumentations- und Archivarbeit findet dann eine Auswertung, also eine Interpretation der Fundzusammenhänge statt. Zwar ist bereits eine Menge über den Status des Gebäudes bekannt (Adelssitz, Datierung in das 11./12. Jh) aber die Einzelfundanalyse kann das Bild, dass dadurch von der Vergangenheit entworfen wird, schärfen und jedes erkannte Detail kann die Erkenntnis zur Ortsgeschichte Bissendorfs verdichten.
Holzkohleproben werden zur naturwissenschaftlichen Datierung in ein Labor eingeschickt – die Proben wurden aus dem Baumaterial der hölzernen Unterkonstruktion  gewonnen und helfen damit das Gründungsdatum des Gebäudes näher einzugrenzen.
Schließlich werden die gesammelten Erkenntnisse in einem Grabungsbericht vorgelegt, der in seiner wissenschaftlichen Form der Wissenschaftscommunity zur Verfügung gestellt und der in einer zusammenfassenden Form im Heimatjahrbuch Osnabrücker Land erscheinen wird.

Advertisements