Weiterer Brunnen entdeckt

Heute konnte die Oberkante eines weiteren aus Kalkbruchsteinen errichteten Brunnens freigelegt werden. Der nunmehr zweite Brunnen liegt westlich des Werpup’schen Herrenhauses und war allem Anschein nach während dessen frühen Nutzungsphase in Betrieb.

Neuzeitlicher aus Bruchsteinen gefügter Brunnen. Vermutlich im 18./19. Jh. aufgegeben und verfüllt.

Ein Gebäudeanbau der auf Fotos aus dem frühen 20. Jh. nicht zu sehen ist und über die Oberkante des Brunnens hinwegragt, gibt einen entscheidenden Hinweis für die Datierung des Brunnens zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Eine genauere Datierung der Verfüllung und damit der Aufgabe des Brunnens ist erst nach abgeschlossener Untersuchung möglich.
In den nächsten Wochen wird die Erforschung dieses Brunnen schwerpunktmäßig vorangetrieben.

(Dr. D. Lau)

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Zwischenbericht nach vier Monaten Ausgrabung

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Die Zeit, die für die Ausgrabungen auf dem alten Gutshof derer zu Bissendorf zur Verfügung steht, ist mittlerweile zur Hälfte abgelaufen – Zeit für einen kurzen Zwischenbericht.

In den ersten vier Monaten konzentrierten sich unsere Bemühungen darauf, die Fläche im Bereich des alten Werpup’schen Herrenhauses und eines südlich unmittelbar angrenzenden Wirtschaftsgebäudes zu untersuchen. Dieses Areal umfasst eine Gesamtfläche von ca. 600-700 Quadratmetern. Bislang wurden ca. 50.000 Einzelfunde gemacht, überwiegend Tongefäßfragmente.

Zu den ältesten Funden zählen bisher Feuersteinwerkzeuge und -abschläge sowie Tongefäßfragmente aus der Jungsteinzeit, vermutlich aus der sogenannten Schnurkeramik (ca. 2800-2200 v. Chr.). Da es sich um versprengte Einzelfunde handelt ist bislang nicht klar, ob die Menschen in der Steinzeit im heutigen Bissendorf gesiedelt haben, ihre Toten bestattet haben oder einfach nur durch das Tal gezogen sind.

Die nächsten eindeutigen Funde stammen aus dem Frühmittelalter. Tongefäßscherben aus dem 7./8. Jahrhundert zeugen in ihrer Konzentration davon, dass in dieser Zeit die Keimzelle des heutigen Bissendorf zu suchen ist. Ein Grubenhaus sowie mehrere massive Pfosten, die zu mindestens einem oberirdischen Hausgrundriss zu rekonstruieren sind, weisen eindeutig eine Besiedlung für diese Zeit nach.
Auch für die nachfolgenden Phasen des Mittelalters, dem Hoch- und Spätmittelalter, belegen zahlreiche Pfosten und Gruben eine kontinuierliche Besiedlung der Fundstelle. Ein im späten Mittelalter zugeschütteter Brunnen und die Spuren eines Steingebäudes, das um 1500 errichtet worden sein muss sind die aktuellen „Highlights“ auf der Ausgrabung. Der Brunnen wird im Verlauf des Monats August untersucht werden. Ob es hingegen gelingt den Grundriss des Steingebäudes zu rekonstruieren, ist fraglich, da seit dem 16. Jahrhundert massive Erdbewegungen und tiefe Eingriffe in den Boden stattgefunden haben. Bislang lässt sich nur ein rechtwinklig verlaufender Mauerzug von ca. 10 Metern Gesamtlänge nachzeichnen.

Mittelalterlicher aus Kalkbruchsteinen gefügter Brunnen, der gegen Ende des Spätmittelalters verfüllt wurde (ca. 15. Jh.).

Die Errichtung des Werpup’schen Herrenhauses hat das Gelände seit dem 17. Jahrhundert geprägt. Im westlichen Außenbereich lassen sich kleinere Anbauten und Pflasterungen nachweisen, die bislang unbekannt waren. Außerdem wurde aktuell der zugeschüttete Zugang zu einem Gewölbekeller freigelegt. Die Schuttmassen stammen zwar vom Abriss des Gebäudes in den 1970er Jahren, die Bausubstanz allerdings ist renaissancezeitlich, so dass sich durch die Untersuchungen die Bauformen der damaligen Zeit nachvollziehen lassen. Mit der Ausgrabung des Kellerinnenraumes wird in den nächsten Tagen begonnen – die Kellertreppe ist bis zum Kellerboden mittlerweile freigelegt.

Renaissancezeitliche Kellertreppe. an der Wand links erkennt man den Gewölbeansatz des Tunnelgewölbes und an der bildrechten Wand liegt auf den Stufen ein Werkstein, der zu einer Tür gehörte.

Während bis zum Ende des Monats die Untersuchungen im Bereich des Werpup’schen Herrenhauses abgeschlossen werden, konzentriert sich die weitere Erforschung auf den ehemaligen Außenbereich westlich des Herrenhauses. Auch hier konnten bereits erste Befunde (hauptsächlich Pfostenstellungen) aus dem Mittelalter nachgewiesen werden.

Die nächsten wichtigen Grabungsziele sind demnach
1. Erforschung des Gewölbekellers aus dem 17. Jahrhundert (bis Ende Juli)
2. Rekonstruktion des Grundrisses des Steingebäudes aus dem frühen 16. Jh.
3. Erforschung des Brunnens, der im 14./15. Jh. verfüllt wurde (im August)
4. Komplette Erforschung des Grubenhauses aus dem 8. Jahrhundert (August)
5. Untersuchung des Außenbereichs westlich des Herrenhauses (bis Ende Oktober)
6. Untersuchung der Gräftenanlage aus dem 17. Jahrhundert (gegen Ende der Grabung)
7. Untersuchung des ehemaligen Torbereichs des Gutshofes (gegen Ende der Grabung)

Scheibenfibel aus dem 11. Jh. gefunden

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Heute wurde bei den Ausgrabungen eine Scheibenfibel gefunden. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche Gewandschließe, die der Form nach den heutigen Buttons/Ansteckern ähnelt und neben der Aufgabe das Gewand zusammenzuhalten durchaus auch eine schmückende, repräsentative und vor allem identitätsstiftende Funktion hatte.

Nabenfibel des 11. Jhs. (Foto: I. Jüdes).

Das etwa 2 cm durchmessende Stück war auf der Rückseite sehr gut erhalten, so dass Nadelrast und -halterung noch nahezu komplett waren. Die Schauseite zeigt in der Mitte eine kreisrunde Zelle, die von einem breiten Ring umgeben war. Ursprünglich war sowohl in der Mitte als auch im umgebenden Ring eine Emaileinlage vorhanden.
Bei dem Typ aus Bissendorf handelt es sich um eine Augen- oder Nabenfibel, die in das 11. Jahrhundert, also in spät-ottonische/salische Zeit zu datieren ist.
Zur Herstellungstechnik, der aus einer Kupferlegierung gegossenen Fibel, siehe einen kleinen Artikel auf scheibenfibeln.de.
(Dr. D. Lau)

Alte Bissendorfer Dorfpläne

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Der beschriftete Plan von vor 1750 zeigt den Bissendorfer Ortskern (Norden ist hier unten!). Man sieht den deutlichen räumlichen Bezug zwischen der Diyonisius-Kirche mit ihrem kirchburgartig von Gebäuden umstandenen Kirchhof und dem Gutshof derer zu Bissendorf mit Haus Bissendorf, dem Werpup’schen Herrenhaus und den umliegenden Gärten. Der fortifikatorische Gesamtcharakter der Anlage kommt in der Kombination von Kirchenburg im Süden und Gräftenanlage im Norden und Osten zu Ausdruck. Eine kleine Mauer im Westen schließt die Einhegung ab. Die Mauer gehört vermutlich zur bereits 1683 erwähnten Kirchhofsmauer, die möglicherweise eine (spät-)mittelalterliche Vorgängerbefestigung hatte (vgl. LÖMKER-SCHLÖGELL 1998, 113, Fn. 721). Es darf vermutet werden, dass der Gutshof auf eine fränkische curtis zurückgeht zu der später die Diyonisius-Kirche als Eigenkirche hinzugebaut wurde, um dann mit beiden Bereichen (Gutshof und Kirchhof) eine Einheit und zugleich den alten Ortskern zu bilden (vgl. auch LÖMKER-SCHLÖGELL 1998, 113-114).

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv – Staatsarchiv Osnabrück, K 72 Bissendorf, Nr. 4H. Bearbeitung: Dr. Daniel Lau.

In der folgenden Abbildung ist die archäologisch untersuchte Fläche in rot eingetragen (geschätzte Lage, unmaßstäblich). Bei dem schmalen nach Westen in den Bereich der Gräfte ausgreifenden Bereich handelt es sich um den Sondage-Schnitt 1 aus dem Vorjahr.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv – Staatsarchiv Osnabrück, K 72 Bissendorf, Nr. 4H. Bearbeitung: Dr. Daniel Lau.

(Dr. D. Lau)

 

Luftaufnahmen der Grabungsfläche

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Am 27. März, zu Beginn der Ausgrabung, wurden von der Neuen Osnabrücker Zeitung Luftaufnahmen von der Grabungsfläche gemacht. Sie zeigen die Ausgrabung in einem sehr frühen Stadium – dennoch sind die Grundmauern der Werpup’schen Herrenhauses und des südlich angrenzenden Wirtschaftshofes deutlich zu erkennen
Die Fotos wurden angefertigt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Gert Westdörp (Neue Osnabrücker Zeitung).

Aufnahme von Westen, im Bildhintergrund sowie an den Kanten der Grabungsfläche sind die Abraumhaufen zu sehen. Das Hauptuntersuchungsgebiet liegt im Bereich des Werpup’schen Herrenhauses und seines Wirtschaftsgebäudes im bildoberen Teil der Grabungsfläche (Osten). Bildrechts ist das Gebäude der Gemeindeverwaltung Bissendorf zu sehen und am rechten Bildrand das ehemalige Herrenhaus „Haus Bissendorf“.
Foto: Gert Westdörp

Aufnahme von Südwesten.
Foto: Gert Westdörp

Detail der Luftaufnahme von Südwesten. Die Grundmauern des Werpup’schen Herrenhauses und des südlich angrenzenden Wirtschaftsgebäudes. (Kontrast und Farben leicht verfremdet, um die Mauern besser zur Geltung zu bringen).
Foto: Gert Westdörp
Bearbeitung: Dr. Daniel Lau

(Dr. D. Lau)

Mittelalterlicher Spielwürfel entdeckt

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Bei den Ausgrabungen innerhalb des ehemaligen Witschaftsgebäudes, das an das Werpup’sche Herrenhaus im Süden anschloss, wurde heute in den mittelalterlichen Schichten ein aus Knochen geschnitzter Spielwürfel entdeckt. Es handelt sich dabei um einen 6-seitigen Würfel (Hexaeder).
Bei den modernen Spielwürfeln dieser Art ergibt die Summe einander gegenüberliegender Augen stets 7: 1+6, 2+5 und 3+4 liegen einander gegenüber. Bei unserem mittelalterlichen Exemplar verhält es sich anders, hier liegen 1+2, 3+4 sowie 5+6 einander gegenüber.

Bild

Der Würfel ist sehr klein (mit einer Kantenlänge < 1 cm) und nicht vollkommen symmetrisch gearbeitet, so dass vermutlich beim Würfeln bestimmte Zahlen besonders häufig erzielt wurden – welche das sind, wird hier im Blog mitgeteilt, sobald der Fund gereinigt und konserviert ist.

Die Augen auf dem Würfel wurden in Punkt-Kreis-Verzierung ausgeführt, dafür bediente man sich vermutlich eines besonderen Werkzeugs, eines Bohrers, der den Mittelpunkt sowie den Umfang eines Kreises gleichzeitig herstellen konnte.

Die ältesten erhaltenen Spielwürfel der Welt stammen aus der Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend und wurden im Iran entdeckt. Nördlich der Alpen gelangte das Würfelspiel durch die römischen Legionäre, zunächst verwendete man jedoch die Sprungbeinknochen von Schafen oder Ziegen, sogenannte Astragaloi, die unter anderem auch als Orakelknochen verwendet wurden. Nach und nach setzte sich aber die regelmäßige Form durch: Doch nicht nur sechsseitige Würfel fanden Verwendung – auch andere geometrische Formen fanden bei den Spielern Wohlgefallen.

Wie alt der Spielwürfel aus Bissendorf ist, lässt sich noch nicht genau eingrenzen. Die Schichten aus denen er stammt datieren ihn spätestens in das 14./15. Jahrhundert, es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Würfel wesentlich älter ist.

(Dr. D. Lau)

Führung über das Grabungsgelände

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Am 6. Juni findet eine ca. 45minütige Führung über das Grabungsgelände statt. Dabei werden die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und die Hintergründe zur aktuellen Grabung erläutert. Die Führung findet während der regulären Arbeitszeit auf der Ausgrabung statt, so dass die interessierten Besucher die Möglichkeit haben, den Archäologen über die Schulter zu blicken.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Natur- und Geoparkwochen 2012 – Naturpark TERRA.vita statt.

Beginn: 14:30 Uhr
Ort: Im Freeden 7, 49143 Bissendorf
Veranstalter: Gemeinde Bissendorf; Telefon: 05402-404-51
E-Mail:  storck@bissendorf.de

Historische Fotografien vom Gutshof

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Dieser Eintrag wird nach und nach einige der erhaltenen historischen Fotografien zusammentragen, um ein besseres Bild von der Nutzung des Geländes und dem Aussehen und Zustand der Gebäude zu erhalten, die auf dem Gutshof um Haus Bissendorf angesiedelt waren.

Bild

Aufnahme von Osten - im Vordergrund befindet sich der alte Zugang über die Abschnittsgräfte, links im Bild, das heute noch stehende "Haus Bissendorf" mit Sprossenfenstern. Das Gebäude mit Giebeldach, rechts im Bild, ist der alte aus Bruchsteinen errichtete Wirtschaftshof, der südlich an das Werpup'sche Herrenhaus anschloss.
Quelle: Rudolf vom Bruch, Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück (Osnabrück 1930).

Aufnahme von Süden: rechts im Bild, das Werpup'sche Herrenhaus, die Freifläche westlich davor wurde als Wäschebleiche genutzt. Im Hintergrund erkennt man die kleine Bruchsteinmauer, die das Gelände auch heute noch in Abschnitten im Norden und Westen begrenzt.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Bruns, Bissendorf.

Aufnahme von Südwesten: links im Bild der Eingangsbereich des südlich an das Werpup'sche Herrenhaus angrenzenden Wirtschaftsgebäudes. Im Hintergrund erkennt man ein weiteres Gebäude dessen Querseiten in der Ausgrabung 2011 (Schnitt 1) freigelegt worden sind. Foto um 1930.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Bruns, Bissendorf.

Aufnahme von Südosten: Das Werpup'sche Herrenhaus mit dem südlichen angrenzenden Wirtschaftsgebäude (?) vermutlich in einer früheren Bauphase.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Bruns, Bissendorf.

(Dr. D. Lau)